Bei seinem ersten Weihnachtsfest in seinem jungen Hundeleben war unser großer Münsterländermischling Tammo 9 Monate alt. Er steckte mitten in der Pubertät, hatte nichts als Flausen im Kopf und sein liebstes Spiel, das er gerade für sich entdeckt hatte, bestand darin, alles in Besitz zu nehmen und zu verteidigen. Für eine unvergessliche Episode sorgte der Hundeflegel, als kurz vor Weihnachten der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer darauf wartete, an Ort und Stelle und sowohl möglichst grade wie umsturzsicher aufgestellt zu werden. Er verströmte diesen unnachahmlichen Duft nach Wald, nach Harz und weihnachtlicher Vorfreude. Wie jedes Jahr bedurfte es einige Kunstgriffe und kleinere Eingriffe mit Säge und anderem Werkzeug bis Christbaumständer und Baum eine unumstößliche Einheit bildeten. Diesen Spezialauftrag hatte wie gewöhnlich der Herr des Hauses zu erfüllen und ein halbwüchsiger Hund, der überall seine Nase und Pfoten dazwischen schob, konnte nichts anderes als stören.
Also schnappte ich mir unseren Hund und ging mit ihm eine Runde spazieren. Wieder zurück erwartete uns der Anblick eines perfekt aufgestellten und sicher verzurrten Weihnachtsbaumes, dem nur noch der Schmuck fehlte um ihn zu "unserem" Baum zu machen. Das sah unser Hund offenbar ganz ähnlich - aber eben auf seine Art. Kaum öffnete ich die Glastür zum Wohnzimmer, da lief Tammo schnurstracks auf den Weihnachtsbaum zu, hob sein Bein und markierte deutlich hörbar und trotz Spaziergang mit einer erstaunlich großen Pfütze "seinen" ersten Weihnachtsbaum. Der von allen Seiten lautstark erhobene Protest von Kindern, Frauchen und Herrchen sorgte dafür, dass Hundi den Baum trotz Bezitzmarkierung kaum noch eines Blickes würdigte und das "Schmücken" in den darauf folgenden Jahren uns Zweibeinern überließ.