Jeder kennt das Sprichwort: Früh übt sich, was ein Meister werden will... Wie sieht es aber nun aus, wenn man das jugendliche und lernfreudige Alter längst überschritten hat und trotzdem etwas völlig Neues lernen muss? Genau vor dieser Aufgabe standen seit dem letzten Tierarztbesuch mein inzwischen gut 11-jähriger großer Münsterländermischling und ich. Unser Problem hieß "Zähne putzen".
Nachdem "Hundi" bei seiner allerersten Zahnbehandlung zwei der hintersten Zähne wegen Lockerheit eingebüßt hat und ich nichts unversucht lassen möchte, ihm sein Gebiss so lange es geht zu erhalten, ist das Verabreichen von Kauknochen aus Rinderhaut die einfache Seite des Unterfangens. Die weitaus schwierigere Aufgabe besteht darin, den Hund dazu zu bekommen, dass ich a) in Ruhe seine Zähne angucken und b) die gefährdeten Stellen am Zahnfleischrand und Zahnzwischenräume kontrollieren und reinigen kann.
Ein Befehl: "Mach mal das Maul auf", der dann nicht nur verstanden sondern ohne Murren befolgt wird, konnte sofort ins Reich der unerfüllbaren Wünsche geschickt werden. Ich musste nach der Zahn-OP erst einmal wieder das alte Vertrauen herstellen. Unser Hund hat schon früh gelernt, dass Kinderhände auch schon mal zwischen seine Zähne fassen. Das Anfassen an sich und auch Finger im Mund kennt er eher als Spiel. Aber die Lefzen so weit zum "Grinsen" ziehen zu lassen, dass alle Backenzähne zu sehen sind, war für ihn neu. Dazu musste er seine Lippen völlig entspannen. Mit viel Zureden, Streicheln und Loben durfte ich nach zwei Tagen auch schon mal seine Zahnlücke ansehen, was er aber doch noch mit leisem Fiepen begleitete. Am ehesten ließ er sich die Prozedur gefallen, wenn er auf der Seite lag und nicht schon als Reflex den Kopf schütteln musste.