Der Weg zur täglichen Zahnpflege bei einem alten Hund ist aufwändig, aber er lohnt sich: Nachdem die erste Gewöhnungsphase an das tägliche Ritual, die Kontrolle alle Backenzähne in Ruhe zuzulassen, mit Erfolg abgeschlossen war, konnte nun eine weitergehende Übung begonnen werden. Mein Hund musste lernen, seine entspannte Haltung auch dann beizubehalten, wenn ich mit Fingern oder Wattestäbchen Zähne und Zahnfleisch "streichelte".
Das allererste Gebot bei allen Übungen, die erfolgreich zum Zähneputzen führen sollen, heißt: jeglichen Ehrgeiz, möglichst schnell zum Erfolg zu kommen, über Bord zu werfen, auch wenn es schwer fällt. Wie nötig mein Hund die tägliche Zahnpflege in seinem fortgeschrittenen Alter hatte, sah ich jedes Mal, wenn er mehr lustlos als begeistert seine Kauknochen aus Rinderhaut weichkaute. Sein Zahnfleisch fing schnell an zu bluten und der Kaueifer verschwand umgehend. Das Zahnfleisch war vom Zahnstein empfindlich geworden und hatte nicht die nötige gesunde Festigkeit. Diese Beobachtung war ein Grund mehr, die Zahnpflegeprozedur konsequent weiterzuentwickeln.
Aus dem täglichen Ritual, sich wechselweise auf die Seite zu legen, um alle Zähne begucken und mit Fingern oder Wattestäbchen bestreichen und das Zahnfleisch massieren zu lassen, ist eine gute und völlig stressfreie Routine entstanden. Meine Pflegeschritte für die Zähne und das Zahnfleisch beschränken sich derzeit noch auf die gründliche Reinigung des Überganges vom Zahn zum Zahnfleisch und den Zahnzwischenräumen mit einem Wattestäbchen. An der abgestrichenen Substanz lässt sich erkennen, dass jede Hundemahlzeit ihre Reste dort hinterlässt und den Nährboden für die Bildung von Zahnstein bildet, wenn er nicht entfernt wird.
In Kürze werde ich wohl das Wattestäbchen gegen eine weiche Zahnbürste austauschen können und spezielle Hundezahnpasta einsetzen. Tammo weiß inzwischen, dass sich die tägliche Aufforderung zum Zähnputzen direkt an seine Abendmahlzeit anschließt und kommt wie selbstverständlich ins Badezimmer. Auch die Art wie er sich hinlegt, um mich an seine Zähne zu lassen, zeigt, dass er alles verstanden hat. Er präsentiert mir grundsätzlich erst seine empfindliche Zahnseite - er hat dort ja eine Zahnlücke - und dann rollt er sich über den Rücken auf die andere Seite. Natürlich muss er sich nach dem Zähneputzen erst einmal kräftig schütteln, aber anschließend freut er sich mit mir um die Wette, dass er sein neues "Kunststück" so gut beherrscht.