Mein Münsterländer-Mischling ist nun gut 11 Jahre alt und topfit. Trotzdem fiel mir seit ein paar Monaten auf, dass er Mundgeruch hatte, der mir fremd und unangenehm in die Nase stieg. Ich vermutete eine Erkrankung und beobachtete ihn genau, konnte aber nichts feststellen. Auch sein Maul inspizierte ich, soweit er mich in Ruhe gucken ließ. Ich entdeckte einen Gewebeknubbel an der Innenseite vom Unterkiefer. Er war schmerzunempfindlich und sein Wachstum ließ sich auch durch die regelmäßige Gabe von Ochsenziemerstücken und anderen harten Kauknochen aus Rinderhaut gut in Schach halten. Trotzdem besorgte ich mir einen Termin beim Tierarzt.
Der Tierarzt diagnostizierte gleich nach meinen Schilderungen die Ursache für den üblen Mundgeruch. Es sei Zahnstein. Überrascht guckte ich mir noch mal die Zähne von meinem Hund an, der inzwischen auf dem Untersuchungstisch Platz genommen hatte und mich freundlich und übelriechend anhechelte. Hatte ich nicht richtig geguckt? Der Tierarzt gab mir den Tipp, die Lefzen im hinteren Bereich des Mauls hochzuziehen, betroffen seien bei meinem Hund sehr wahrscheinlich nur die hinteren Zähne.
Der Zahnstein hatte unübersehbar die hinteren beiden Backenzähne mit einem grünlich-grauen Rand versehen: die Ursache des Mundgeruchs. Der Befund war in den Augen des Tierarztes nicht dramatisch. Mein Hund ist nun einmal schon gut 11 Jahre alt und sein Gebiss weist die unumgänglichen Alterungserscheinungen auf.
Tammo hat sein ganzes Leben lang nur Hundefutter bekommen, hartes Brot, Obst und Gemüse, was er besonders liebt und jede Menge Kaustangen aus Rinderhaut. Dass ich dem Hund zusätzlich hätte die Zähne putzen können, war mir neu.
Die Behandlung der Zähne erfolgte unter Vollnarkose und ermöglichte auch die Untersuchung des Gewebeknubbels, den ich entdeckt hatte. Dieser stellte sich als altersbedingtes Fibrom heraus und bleibt bis auf weiteres an Ort und Stelle. Die Zähne wurden alle intensivst gereinigt und weil ein hinterer Backenzahn schon beim Antippen wackelte, wurden er und sein Gegenüber gezogen. Gegenüberliegende Zähne brauchen sich gegenseitig um an Ort und Stelle verwurzelt zu bleiben. Fehlt der Gegenbiss, ist es nur eine Frage der Zeit, wann der übriggebliebene Zahn sich lockert und Schwierigkeiten macht.
Nach gut einer halben Stunde waren alle Zähne gereinigt. In die Wundlöcher der gezogenen Zähne kamen Wundstopfen und dann hieß es nur noch warten, bis mein Hund aus der Narkose erwachte und sich auf wackeligen Beinen aber mit dem unübersehbaren Wunsch: bloß raus aus der Praxis und nichts wie zum Auto! mich in Richtung Auto zog, das er so gut kannte und dessen Kofferraum meistens fest in seinem Besitz ist. Direkt davor verließen ihn allerdings erst einmal wieder alle Kräfte und ich musste ihn hineinheben.