Auf eine traurige Bilanz blickt dasNürnberger Delfinarium zurück. Sieben tote Delfinbabys in nur drei Jahren sind zu beklagen, und Tierschützer sehen sich nun in ihrer Forderung nach Schließung aller Delfinarien bestätigt. In der Tat wirft der neuerliche Tod eines nur eine Stunde alten Delfinbabys Fragen auf.
Dieses Mal sollte alles gut gehen: Nach der Diskussion um den Tod des Delfinbabys vor zwei Wochen setzte der Nürnberger Tiergarten seine ganze Hoffnung in Delphindame Jenny, die damals bereits hochtragend war. Doch dieses Glück war dem Tierpark nicht vergönnt. Nur eine Stunde nach seiner Geburt starb in der Nacht zum Dienstag der kleine Tümmler.
"Gefangenschaft tötet", lautete die Kritik des Delfintrainers aus Florida O Barry. Der 67-jährige Aktivist aus Florida fordert einen Verzicht auf weitere Zuchtversuche. Man habe lange versucht, Delfine in Zoos zu halten, aber eine Zucht scheint unmöglich. "Wer Delfine in freier Wildbahn beobachtet, versteht sofort, warum sie nicht in ein kleines Betonbecken gehören." Nach Auffassung des Delphinlehrers führt die völlig unnatürliche Umgebung zu Dauerstress und damit zum Tod der Babys.
Die Experten des Nürnberger Zoos vermuten als Ursache hingegen die Unerfahrenheit von Delfinmutter Jenny: Erstgebärende seien erfahrungsgemäß nicht in der Lage, ihr Kalb auf Anhieb zu versorgen, hieß es. Doch auch im Tierpark kann man die Augen nicht gänzlich vor der traurigen Statistik verschließen. Deshalb haben die Verantwortlichen nun eine Studie zur Untersuchung der Todesfälle in Auftrag gegeben und Konsequenzen angekündigt.
«Wir sind davon überzeugt, dass die Lebensbedingungen für unsere acht Delfine verbessert werden müssen», betonte Zoodirektor Dag Encke Deshalb müsse das Delfinarium dringend ausgebaut werden. Noch in diesem Jahr soll der erste Spatenstich für eine neue "Lagune" gesetzt werden, die Eröffnung ist für 2010 geplant.