Wildern, Aufstöbern? Mein Hund tut das nicht…

Wildern, Aufstöbern? Mein Hund tut das nicht…

Hundehalter sind Tierfreunde, sollte man meinen. Aber eine Sache ist offensichtlich schwer zu verstehen: Ab März beginnen die Brut- und Setzzeit in der Natur. Das gilt übrigens auch für sämtliche Stadtgrünfächen und Wäldchen in bebauter Umgebung. Für uns, die wir so gerne mit Hund spazieren gehen, heißt das Leinenpflicht für alle Hunde, die auch nur einen Hauch von Jagdinstinkt haben oder gern mal eine Flitzrunde durchs Unterholz oder das freie Gelände drehen. “Warum diese Aufregung, mein Hund wildert doch nicht” ist ähnlich oft zu hören wie ” der tut doch nichts”:

Das Problem ist – selbst wenn es keine dramatischen Jagdszenen gibt – jeder Hund, der den Wanderweg verlässt, durchs freie Gelände rennt, schnüffelt und spielt, stört die Kinderstube der Wildtiere. Das Gleiche gilt für Spaziergänger, die eine Vorliebe für Trampelpfade haben. Rücksichtsloses und gedankenloses Verhalten im Wald auf Naturwiesen und in Parkanlagen bedeuten Stress pur für unsere heimische Tierwelt. Einsicht in die Abläufe der Natur, der Wille aktiven Naturschutz zu praktizieren und lebendige Tierliebe sollten es eigentlich möglich machen sich im Frühling mit einem gut angeleinten Hund auf den Weg zu machen.

Die Anleinpflicht im Frühling ist übrigens unabhängig von der Größe des Hundes. Selbst ein Chihuahua – einer meiner beiden Zwerge hat Jagdtrieb – kann genau den Stress auslösen, der in der Brut- und Setzzeit eine Gefahr für die Wildtiere darstellt. Natürlich ist ein so kleiner Hund kaum in der Lage einem Rehkitz oder Junghasen physischen Schaden zuzufügen, aber auch er ist ein Hund und entwickelt beim Jagen erstaunliche Geschwindigkeiten. Hetzen, mit Gebell oder Jagdfiepen aufschrecken und Flucht bei Tieren aller Größen auslösen sind auch bei nur knapp 2,5 Kilo Lebendgewicht immer möglich.

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„Möchte mal ein Foto vom heutigen Tag einfach dazu beitragen. Ich (Jäger) darf allen versichern der Hund lebt auch weiterhin noch. Aber jeder sollte gerade zur jetzigen Zeit auf seine Hunde achten. Der Rhodesian Ridgeback „sprengt“ eine Gruppe von „rammelden“ Hasen und hetzt diese Minuten lang über die Felder. Der Besitzer (Mountainbiker) kümmert sich nicht im geringsten darum. Der Hund ist im Vorfeld schon über 500 Meter vom befestigtem Weg in den Feldern frei suchend gewesen. Hier muss man sich mal Gedanken machen, warum es so wenig Niederwild gibt. Weil jeder Erholungssuchende seinem Hund die uneingeschränkte Freiheit gewährt, Konfrontationen mit anderen Hundebesitzern in Kauf nimmt, und das Jungwild sowieso kein Thema für ihn ist. Kommt der Hund an den Junghasen oder die Fasan- oder Rebhuhnhenne war es das. Also es gilt gerade jetzt zur Zeit für jeden seinen Hund entsprechend unter Kontrolle zu halten! Diese Vorfälle ereignen sich leider täglich in dem von mir bejagten Revier.“
Was die meisten dieser Menschen nicht wahr haben wollen, ist das Leid, was ihre Hunde verursachen. Dem Hund macht das Hetzen und Reißen eines Wildtieres Spaß, er handelt rein aus angeborenen Instinkten, für den Hund ist sein Handeln nicht falsch, sondern eine Hetze oder ein Riss sind eine selbstbelohnende Tätigkeit. Aber der Besitzer sollte wissen, was passiert, wenn der Hund frei laufen darf und deshalb ist es die Schuld dieses unbelehrbaren Hundehalters, wenn Tiere elend leiden.
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„So zugetragen am Samstag den 25.4.2015 um ca. 19:00 Uhr und von Spaziergängern am Unfallort berichtet:
Herrliches Frühlingswetter, Sonnenschein, alle wollen die Natur genießen, Radfahrer, Spaziergänger, Hundebesitzer…! Tagsüber halten sich die Rehe in sicherer Deckung (Wald, Hecken usw.) auf, in den Morgen- und Abendstunden ziehen sie auf die Felder und Wiesen um Nahrung aufzunehmen.So auch an diesem Samstagabend. Die Rehe standen friedlich äsend auf der Wiese, als zwei Radfahrer mit einem freilaufenden Hund des Weges kamen. Der Hund lief ca. 50 m von seinen Führern entfernt auf die Wiese. Als er die Rehe erblickte, begann er sofort sie zu hetzen, leider in Richtung der Straße. Es kam wie es kommen musste…ein Reh (Ricke, hochtragend) sprang in Panik vor ein Auto ! Drei tote Tiere auf einen Streich! Der Hund drehte ab und lief zu seinen Führern zurück, achtlos fuhren diese mit ihrem Hund weiter, ohne sich darum zu kümmern. Zum Glück wurde der Autofahrer nicht verletzt und hat „nur“ einen Blechschaden am Fahrzeug, den die Versicherung zahlt. Das Reh war sofort tot. Genick, Wirbelsäule, Beine und Becken gebrochen, die inneren Organe zerfetzt…! Warum, oh Mensch, bewegst du dich so blind und ohne Rücksicht in der Natur? An die Naturnutzer: Nimm deinen Hund an die Leine. Nimm Rücksicht auf unser Wild, das es eh schon schwer genug hat und beunruhige es nicht, wenn es in den Morgen und Abendstunden Nahrung sucht. Du kannst auch zu einer anderen Tageszeit die Natur nutzen und einen anderen Weg wählen, wo sich gerade kein Wild auf Feld und Wiese aufhält. Scheut euch nicht, andere Naturnutzer auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Wir alle haben die Verantwortung für unsere Fauna und Flora. An die Autofahrer: Es gibt auch noch Leben links und rechts der Straße und die Straße endet nicht vor der Stoßstange. Mach die Augen auf, fahr vorausschauend und umsichtig, es hängt auch dein Leben davon ab. Sollte es doch zu einem Wildunfall kommen dann bleib am Unfallort, bis der zuständige Jagdpächter kommt. Das erspart oft stundenlanges Suchen durch falsche bzw. ungenaue Ortsangaben und somit auch oft dem Tier viel Leid. Damit das Reh nicht völlig umsonst gestorben war, wurde es als Nahrung für die Hund verwertet…………. Darf gerne weiter erzählt und geteilt werden!“
Ich würde gern so einem Hundebesitzer mal ein Reh zeigen, was mit massiven Bissverletzungen und Panik in den gebrochenen Augen auf einem Acker liegt. Was über Kilometer gehetzt wurde und vor lauter Erschöpfung langsamer werdend, dem Ausdauerläufer Hund zum Opfer fiel. So ein Reh hat ein filigranes Nervensystem und ist ein Kurzstreckenflüchter. Es sucht sein Heil lieber im Verstecken als im Flüchten. Dem Nasentier Hund ist es damit rettungslos ausgeliefert. Ein Biss in die Hinterkeulen, das Reh stürzt, der Körper kann das Adrenalin nicht mehr durch Bewegung abbauen und das Nervensystem wird überflutet und kollabiert. Das Reh ist tot, obwohl der Biss in die Keule gar nicht tödlich war. Und der Hund läuft auf der Suche nach einem neuen Kick weiter, weil das Reh sich nicht mehr bewegt und seine Hetzinstinkte anregt.

„Heute Morgen haben im wunderschönen Extertal zwei hochläufige Hunde diese sehr starke Ricke zur Strecke gebracht, ich habe die Hunde leider nicht beobachtet, jedoch sind sie von meinem Vater fotografiert worden. Ich habe der noch lebenden Ricke den Fangschuss angetragen und werde morgen bei der Polizei Lemgo eine Anzeige erstatten!
Lt. Berichten von Anwohnern scheinen die Hunde Wiederholungstäter zu sein und wenn ein Mensch versucht einzugreifen, reagieren sie sehr aggressiv.“

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Uns Jägern wird immer vorgeworfen, dass wir auf wildernde Hunde einen Hass haben, weil diese für Jäger ein Beutekonkurrent sind.
Was schlicht nicht stimmt.
Wir sehen nur immer wieder, dass ein Hund das erstbeste Wildtier verfolgt, was ihm über den Weg läuft. Das kann im April/Mai eine mit zwei oder drei Kitzen hochtragende Ricke sein, die aufgrund des Zusatzgewichts nicht mehr schnell genug für hochbeinige Hunde ist, oder ein noch ganz junges Rehkitz, was einfach noch nicht schnell genug ist für einen reaktionsschnellen, langbeinigen Hund . Es kann ein Junghase sein, der seine Rettung vor Feinden im Ducken und still verharren sieht (bis es zu spät ist) oder eine Ente oder Gans in der Mauser, die sich dem Hund nicht durch Wegfliegen entziehen kann. Solcherart gehandikapte Tiere würde ein Jäger nie erlegen. Ein Hund hingegen tötet unselektiert. Es ist ihm gleichgültig, ob die Ricke, die er grade zu Boden gerissen und totgebissen hat, 300 Meter weiter in einer Wiese zwei hungrige Kitze liegen hat. Diese Kitze warten nun vergeblich auf die Mutter und sind nach spätestens zwei Tagen entweder kläglich verhungert oder wurden von Raubtieren wie Fuchs oder Rabenkrähe gefressen. Es ist dem Hund egal, dass eine Häsin ihre Milch nicht mehr los wird und eine Gesäugeentzündung bekommt, weil ihre drei Hasenkinder gerissen wurden.

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„Heute morgen bei Talle, gewilderte Ricke mit Kehlbiss und geöffneter Bauchdecke gefunden. Trauriger Anblick.“
Es sind schon so viele Unfälle passiert, weil ein Hund Wildtiere über eine Straße gehetzt hat. Getötet wird dabei immer das Wild, weil es als erstes die Straße quert – bis der Hund da ist, haben die Autofahrer gebremst. Im schlimmsten Fall kommen dabei auch Menschen zu Schaden. Der wildernde Hund wird normalerweise nicht identifiziert, denn genauso schnell, wie er gekommen ist, rennt er auch wieder weg.
Beispiele gibt es unfassbar viele, in Zeiten des Internets und der sozialen Medien machen Geschichten und Bilder die Runde, Zeitungsartikel werden digital verbreitet und in Blogs wird darüber geschrieben. Leider scheint der Effekt gleich Null zu sein, denn jedes Jahr muss man wieder die gleichen Dramen lesen.
Schön wäre es, wenn solche erschreckenden Berichte bei Menschen mit nicht angeleinten Hunden ankommen und ihre Wirkung zeigen.
„Mein Hund wildert ja nicht! Die hochträchtige, gerissene Ricke haben gerade Spaziergänger gemeldet, der ganze Körper ist zerschunden von Bissen und Kratzer der Krallen, das muss ein grausames Ende gewesen sein. Wir werden die Bilder jetzt an den Gassistrecken aushängen und das mal in das Gemeindeblatt setzen lassen“.

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